Genitalwarzen – Was steckt dahinter?
Genitalwarzen – Was steckt dahinter?
Genitalwarzen sind eine häufige sexuell übertragbare Erkrankung im äußeren anogenitalen Bereich, die durch HPV ausgelöst wird und Betroffene stark belasten kann. Dieser Beitrag liefert wichtige Informationen zu Ursachen, Diagnostik, Therapie und Prävention.
Genitalwarzen sind gutartige Wucherungen im Genitalbereich, die durch Humane Papillomviren (HPV) ausgelöst werden und das psychische Wohlbefinden und die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen können.1,2
Genitalwarzen – eine verbreitete sexuell übertragbare Krankheit
Genitalwarzen, auch Feigwarzen oder Condylomata acuminata genannt, stellen eine der häufigsten sexuell übertragbaren Krankheiten (STI) weltweit dar.3,4 Die Prävalenz liegt weltweit zwischen 0,13 % und 5 %, mit den höchsten Raten bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen.3
Bei Genitalwarzen handelt es sich um Warzen, die bei Frauen an Vulva, Vagina und Anus (Abb. 1), bei Männern am Penis, Anus oder am Skrotum auftreten können.3 Zunächst treten sie als singuläre kleine Papeln auf, die im weiteren Verlauf beetartig angeordnet sind und schließlich papillomatös weiterwachsen können.5

Abb. 1: Genitalwarzen bei einer Frau, die sowohl einzeln als auch in beerenförmigen Ansammlungen im Bereich der Vulva und des Anus auftreten (bereitgestellt von MSD mit freundlicher Genehmigung von Frau Prof. Dr. M. Hampl, St. Elisabeth-Krankenhaus GmbH, Köln).

Abb. 2: Genitalwarzen bei einem Mann, die sowohl einzeln als auch in beerenförmigen Ansammlungen im Bereich des Penis auftreten (bereitgestellt von MSD mit freundlicher Genehmigung von Herr Prof. A. Kreuter, Helios Rhein-Ruhr Kliniken GmbH).
Humane Papillomviren als Ursache von Genitalwarzen
Genitalwarzen können durch eine HPV-Infektion mit bestimmten HPV-Typen ausgelöst werden. Infektionen mit HPV zählen zu den häufigsten sexuell übertragbaren Infektionen und sind sowohl bei der Frau als auch beim Mann weltweit sehr verbreitet.5 So infizieren sich die meisten sexuell aktiven Menschen mindestens einmal im Leben mit HPV.5 Die Viren können über Mikroverletzungen in Haut und Schleimhaut eindringen und die Epithelzellen der Basalschicht infizieren.5 Die Transmission findet hauptsächlich durch Geschlechtsverkehr oder über orogenitale Sexualpraktiken statt, die Verwendung von Kondomen kann eine HPV-Infektion dabei nicht sicher verhindern.5
HPV werden aufgrund ihres onkogenen Potenzials in Hochrisiko- und Niedrigrisiko-Typen unterteilt: Infektionen mit Hochrisiko-HPV-Typen (z. B. HPV 16 und 18) können maligne Tumore hervorrufen, während Genitalwarzen zu 90 % auf die Niedrigrisiko-HPV-Typen HPV 6 und 11 zurückzuführen sind. Zwischen HPV-Infektion und der Ausbildung der Genitalwarzen liegen meist 2–3 Monate, aber auch Zeitspannen von 2 Wochen bis 8 Monaten sind bekannt.5
Genitalwarzen: Mehr als nur ein körperliches Problem
Obwohl es sich bei Genitalwarzen um eine meist gutartige Krankheit handelt, werden sie von Patienten in der Regel als sehr störend, unansehnlich und entstellend wahrgenommen.5,2 Oft können sie mit psychischer Morbidität und Schamgefühlen verbunden sein.2 So wurde gezeigt, dass Genitalwarzen das soziale und psychologische Wohlbefinden und die Lebensqualität von Betroffenen erheblich einschränken können.6–8
Beobachtungsstudie zum Einfluss von Genitalwarzen auf die Lebensqualität
In einer britischen Beobachtungsstudie wurden 842 Patienten (241 mit normaler Zervixzytologie, 23 mit grenzwertigen Kernanomalien und/oder leichter Dyskaryose, 84 mit zervikaler intraepithelialer Neoplasie (CIN)1, 203 mit CIN2/3, 43 mit vulvaler intraepithelialer Neoplasie (VIN)2/3, 186 mit Genitalwarzen und 62 mit einer Vorgeschichte von Genitalwarzen; Beobachtungszeitraum Mai 2008 bis März 2009) eingeschlossen. Der Gesundheitszustand, die psychosoziale Belastung und der Einfluss auf die gesundheitsbezogene Lebensqualität wurden anhand verschiedener Fragebögen ermittelt.6
Studienergebnisse: Erhöhte psychologische Belastung und verminderte Lebensqualität
Der psychosoziale Gesundheitszustand jüngerer Patienten mit Genitalwarzen war signifikant beeinträchtigt: Der European Quality of Life Index Version 5D (EQ-5D) Indexwert gibt die Auswirkungen von Krankheiten auf den allgemeinen Gesundheitszustand (anhand selbst-angegebener Probleme in Mobilität, Selbst-Fürsorge, üblichen Aktivitäten, Schmerzen/Unwohlsein und Angstzuständen/Depression) an, wobei höhere Werte einen besseren allgemeinen Gesundheitszustand anzeigen. Patienten mit Genitalwarzen wiesen im Vergleich zur britischen Allgemeinbevölkerung einen signifikant reduzierten mittleren EQ-5D-Indexwert auf (0,86 vs. 0,94, p < 0,001 bei 18–24-Jährigen; 0,87 vs. 0,93, p = 0,030 bei 25–34-Jährigen) (s. Abb. 1).6
Zudem war die psychologische Belastung bei Patienten mit Genitalwarzen erhöht – im Vergleich zu Frauen mit normaler Zervixzytologie (HPV Impact Profile (HIP)-Wert* 50,9 [Standard-Abweichung (SD): 18,3] vs. 22,3 [SD: 11,5]), aber auch verglichen mit Frauen mit VIN2/3 (HIP: 50,9 [SD: 18,3] vs. 43,8 [20,2], p = 0,044). Die gesamte gesundheitsbezogene Lebensqualität von Patienten mit Genitalwarzen war ebenfalls signifikant reduziert (anhand des Cuestionario Especifico en Condilomas Acuminados Fragenbogens#, p = 0,006).6

Abb. 3: Einfluss von Genitalwarzen auf den allgemeinen Gesundheitszustand (anhand EQ-5D-Gesundheitsbereichen). Anzahl der Teilnehmer, die von Problemen in den EQ-5D-Bereichen (Mobilität, Selbstfürsorge, übliche Aktivitäten, Schmerz/Unwohlsein, Angstzustände/Depression) berichteten, verglichen zwischen Männern und Frauen mit Genitalwarzen und der britischen Allgemeinbevölkerung (modifiziert von MSD nach Dominiak-Felden et al. 2013).
Therapie von Genitalwarzen – langwierig und mit hoher Rezidivrate
Die Behandlung von Genitalwarzen kann oft langwierig sein und die Betroffenen belasten.3 Der primäre Therapieansatz sollte in Abhängigkeit bestimmter Faktoren erfolgen. Zu diesen zählen unter anderem Größe und Zahl der Läsionen, Grund- und Begleiterkrankungen sowie Patientenpräferenz und erwartete Therapie-Adhärenz.1 Zur Wahl stehen topische Therapien für die Selbstbehandlung der betroffenen Stellen in Form von Lösungen (Podophyllotoxin 0,5 %), Cremes (Imiquimod 5 %) und Salben (Sinecatechine 10 %). Alternativ können die Genitalwarzen mithilfe von chirurgischen oder ablativen Verfahren entfernt werden, zum Beispiel durch Kryotherapie, Behandlung mit Trichloressigsäure, Exzision, Laserverfahren oder Elektrokoagulation.1 Die Kosten für eine Behandlung von Genitalwarzen in Deutschland belaufen sich schätzungsweise auf 400 € bis über 1000 € pro Patient, bei manchen davon handelt es sich um Privatleistungen.3
Jedoch kann es nach einem therapiebedingten Abklingen der Genitalwarzen häufig zu einem Rückfall kommen: In 25 % der Fälle tritt innerhalb von 3 Monaten ein Rezidiv auf, auch von Raten von bis zu 67 % wurde berichtet.2
Die hohe Rezidivrate der langwierigen Therapie von Genitalwarzen zeigt den hohen Stellenwert von Präventionsmaßnahmen auf.
HPV-Impfung als wichtigste Präventionsmaßnahme
Die wichtigste Präventionsmaßnahme, um bestimmten HPV-assoziierte Erkrankungen vorbeugen zu können, ist die HPV-Impfung.5 Zur Impfung gegen HPV steht z. B. GARDASIL® 9 zur Verfügung. GARDASIL® 9 ist indiziert zur aktiven Immunisierung von Personen ab einem Alter von 9 Jahren zur Prävention von Vorstufen maligner Läsionen und Karzinome, der Zervix, Vulva, Vagina und des Anus sowie Genitalwarzen, die durch die Impfstoff-HPV-Typen verursacht werden.9 Seit 2007 empfiehlt die STIKO die HPV-Impfung für Mädchen (zuerst im Alter von 12–17 Jahren, seit 2014 im Alter von 9–14 Jahren) – im Juni 2018 hat die STIKO auch die Impfung von Jungen im Alter von 9–14 Jahren empfohlen.10–12 Versäumte Impfungen sollten spätestens bis zum Alter von 17 Jahren nachgeholt werden.13 Doch wie die STIKO bestätigt, können auch junge Erwachsene ab einem Alter von 18 Jahren noch von einer Impfung profitieren.13
In diesem Text erfahren Sie mehr zum Thema Genitalwarzen – HPV-Impfung zur Prävention und wie Sie Ihren Teil zur Aufklärung über HPV und die HPV-Impfung beitragen können – mit praktischer Maßnahmen-Liste. Machen Sie den Check!
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Anmerkungen
* Der HPV Impact Profile (HIP) Fragebogen bewertet die psychosoziale Belastung bei Frauen mit HPV-bedingten Erkrankungen anhand 29 Punkten in sieben psychosozialen Dimensionen (Sorgen und Bedenken, emotionale Auswirkungen, sexuelle Auswirkungen, Selbstbild, Partnerprobleme und Übertragung, Interaktionen mit Ärzten, und Gesundheitskontrolle und Auswirkungen auf das Leben); höhere Punktzahlen bedeuten eine größere psychosoziale Auswirkung von HPV.6
# Der globale CECA Score wird anhand eines validierten, zehn Punkte umfassenden, selbst-auszufüllenden Fragebogens, der speziell zur Messung der HRQoL von Personen mit Genitalwarzen entwickelt wurde, bestimmt. Niedrige Punktzahlen zeigen eine schlechte gesundheitsbezogene Lebensqualität (Scale 0–100).6
Abkürzungen
CIN: Zervikale intraepitheliale Neoplasie
EQ-5D: European Quality of Life Index Version 5D
HPV: Humane Papillomviren
p-Wert: Signifikanzwert
SD: Standard-Abweichung
STI: Sexuell übertragbaren Krankheiten
STIKO: Ständige Impfkommission
VIN: Vulvale intraepitheliale Neoplasie
Quellen
- Gross et al. S2k-Leitlinie. HPV-assoziierte Läsionen der äußeren Genitalregion und des Anus – Genitalwarzen und Krebsvorstufen der Vulva, des Penis und der peri- und intraanalen Haut. Stand 2021. [abgerufen am 27.02.2025]. Verfügbar unter: https://derma.de/fileadmin/derma/1_derma.de_WebRoot/Aerzte/Leitlinien/082-008l_S2k_HPV_assoziierte_anogenitale_La__sionen_2017-11.pdf.
- Lacey CJN et al. Chapter 4: Burden and management of non-cancerous HPV-related conditions: HPV-6/11 disease. Vaccine 2006; 24 Suppl 3:S3/35-41.
- Osmani V KSJ. Bundesgesundheitsblatt – Gesundheitsforschung – Gesundheitsschutz.: 2021; 64: 590–599.
- IQWiG – Gesundheitsinformationen.de. Humane Papillomviren (HPV) [abgerufen am 27.02.2025]. Verfügbar unter: https://www.gesundheitsinformation.de/humane-papillomviren-hpv.html.
- RKI. RKI-Ratgeber Humane Papillomviren; Erstveröffentlichung im Epidemiologischen Bulletin 27/2018. Letzte Aktualisierungen: Dezember 2023 [abgerufen am 27.02.2025]. Verfügbar unter: https://www.rki.de/DE/Aktuelles/Publikationen/RKI-Ratgeber/Ratgeber/Ratgeber_HPV.html?nn=16777040.
- Dominiak-Felden G et al. Impact of human papillomavirus-related genital diseases on quality of life and psychosocial wellbeing: results of an observational, health-related quality of life study in the UK. BMC Public Health 2013; 13:1065.
- Woodhall S et al. Estimation of the impact of genital warts on health-related quality of life (Sex Transm Infect (2008) 84, 161-166). Sexually Transmitted Infections 2008; 84(4):328.
- Muñoz-Quiles C et al. Human papillomavirus vaccines effectiveness to prevent genital warts: A population-based study using health system integrated databases, 2009-2017. Vaccine 2022; 40(2):316–24.
- Fachinformation GARDASIL® 9. Stand September 2024.
- Robert Koch-Institut (RKI). Epidemiologisches Bulletin. Epid Bull 2007; (12):97–106; 2007 [abgerufen am 03.02.2025]. Verfügbar unter: https://www.rki.de/DE/Aktuelles/Publikationen/Epidemiologisches-Bulletin/2007/12_07.pdf?__blob=publicationFile&v=1.
- Robert Koch-Institut (RKI). Epidemiologisches Bulletin. Epid Bull 2014; (35):341-350; 2014 [abgerufen am 03.02.2025]. Verfügbar unter: https://www.rki.de/DE/Aktuelles/Publikationen/Epidemiologisches-Bulletin/2014/35_14.pdf?__blob=publicationFile&v=1.
- AG der Ständigen Impfkommission (STIKO). Wissenschaftliche Begründung für die Empfehlung der HPV- Impfung für Jungen im Alter von 9 bis 14 Jahren: Epid Bull 2018;26:233 – 250; 2018 [abgerufen am 03.02.2025]. Verfügbar unter: https://www.rki.de/DE/Aktuelles/Publikationen/Epidemiologisches-Bulletin/2018/26_18.pdf?__blob=publicationFile&v=1.
- Robert Koch-Institut (RKI). Ständige Impfkommission. Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) beim Robert Koch-Institut 2025 Epid Bull 2025;4:1- 75; 2025 [abgerufen am 12.02.2025]. Verfügbar unter: https://www.rki.de/DE/Aktuelles/Publikationen/Epidemiologisches-Bulletin/2025/04_25.pdf?__blob=publicationFile&v=7.
DE-GSL-00368 04/25