Bericht einer MFA: Die Nutzung der BVJK PraxisApp „Meine pädiatrische Praxis“ in der ärztlichen Praxis
Sonja Mizich ist leitende medizinische Fachangestellte (MFA) in der Nürnberger Kinder- und Jugendarztpraxis am Tiergarten. Dort kommt die BVJK PraxisApp „Meine pädiatrische Praxis“ bereits seit 12 Jahren zum Einsatz. Welche Erfahrungen sie damit im Praxisalltag gemacht hat, verrät sie Ihnen hier.
Wir in der Kinder- und Jugendarztpraxis am Tiergarten in Nürnberg nutzen die BVKJ PraxisApp „Meine pädiatrische Praxis“ bereits seit 12 Jahren zur Kommunikation mit den Patient:innen bzw. deren Eltern und Sorgeberechtigten. Inzwischen sind mehr als 7.500 Patient:innen in der PraxisApp registriert, wodurch das Praxisteam die Möglichkeit zum schnellen Austausch mit dem Großteil unserer Patient:innen hat.
Von Anfang an war die Einführung der PraxisApp des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzt*innen e.V. (BVKJ) und der digitalen Kommunikation eine Aufgabe für das gesamte Team – insbesondere uns Medizinischen Fachangestellten kommt dabei eine besondere Rolle zu. Herr Dr. Landendörfer hatte damals die Vorstellung, für unsere Praxis moderne Kommunikationswege zu etablieren, vor allem, um eine Entlastung im Anmeldebereich der Praxis zu erreichen. Beim Übergabeprozess der Praxis im Jahr 2024 war diese moderne Art der Kommunikation und Praxisführung auch ein gewichtiges Argument für die übernehmenden Ärzt:innen, den Sprung in die Selbstständigkeit zu wagen.
Die Einführung der PraxisApp erfordert zunächst einen gewissen Aufwand, wurde bei uns jedoch rasch zum Selbstläufer. Plakate und Flyer mit QR-Code liegen in der Praxis aus. Das persönliche Ansprechen der Eltern motiviert Eltern nach unserer Erfahrung am besten dazu, die App auf ihrem Smartphone zu installieren.
App-Ansicht für die Patient:innen mit Praxiseintrag ihrer Ärzt:innen (oben) sowie mit aktuellen Informationen aus der Kinder- und Jugendmedizin
Wo sehen Eltern und MFAs einen Vorteil für sich?
Die Erinnerung an Termine, Vorsorgemaßnahmen und Impfungen erzeugt das System automatisiert. Die Information über anstehende Notdienste und Urlaubsvertretungen werden von Eltern als wertvoller Service beschrieben.
In der App sehen wir, welche Patient:innen bzw. welche Eltern in der App registriert sind und damit Nachrichten auf dem Smartphone empfangen können. Dies können wir an jedem Arbeitsplatz in der Praxis aus niedrigschwellig erledigen. Es können Sammelnachrichten an mehrere oder individuelle Nachrichten an einzelne Patient:innen bzw. deren Sorgeberechtigte gesendet werden.
Darüber hinaus gibt es die Möglichkeit, über Filterfunktionen bestimmte Patient:innengruppen auszuwählen: Für die Filterfunktion „Jugendliche“ wäre z. B. die Information über Mädchen- oder Jungensprechstunden eine denkbare Nachricht, für die Filterfunktion „behandelnder Arzt/behandelnde Ärztin“ beispielsweise eine Nachricht über eine kurzfristige Abwesenheit. Der große Vorteil für uns ist, dass solche wichtigen Informationen mit einem Klick aktiv als „Push-Nachricht“ an alle unsere Patient:innen bzw. Eltern gehen und damit besser wahrgenommen werden, als es ein passiver Hinweis auf unserer Homepage wäre.
Zudem informieren wir per PraxisApp über Personalveränderungen, jahreszeitlich bedingte medizinische Leistungen (z. B. Grippeimpfung) oder andere aktuelle Informationen. Darüber wissen unsere Eltern immer gerne Bescheid und reagieren z. B. bei einer Meldung über einen akuten Personalengpass sofort, um das Praxisteam zu entlasten.

Beispiele für Nachrichten aus der Praxis
Hybride Versorgung mit der PraxisApp: Mehr als nur Kommunikation
Inzwischen lässt sich die PraxisApp nicht mehr nur für die Kommunikation mit Familien nutzen. Über die App können Eltern auch an verschiedenen Screening-Programmen und Versorgungsprojekten teilnehmen und Fragebögen digital ausfüllen. Als Praxis ist das hilfreich, weil sich solche Präventions- und Früherkennungsangebote einfacher in den Praxisalltag einbinden lassen.
Aktuell werden über die PraxisApp beispielsweise das Atopie-Screening im Rahmen des Selektivvertrags „Starke Kids by BKK“, Programme zur Prävention dysregulierter Bildschirmnutzung, Projekte zum reflektierten Umgang mit Fieber sowie ab Juli 2026 das Programm „UPlusE“ zur Früherkennung und Frühbehandlung psychosozialer Belastungen und depressiver Symptomatik bei Eltern mit Säuglingen umgesetzt.
Aus Praxissicht ist außerdem interessant, dass einige dieser Programme vergütet werden. So werden beispielsweise im Atopie-Screening sowie künftig auch im Programm UPlusE Screening-Fragebögen mit 15 Euro vergütet. Unauffällige Fragebögen werden automatisiert weiterverarbeitet. Auch bei weiteren Projekten sind entsprechende Vergütungen für die teilnehmenden Praxen vorgesehen. Die PraxisApp wird damit nicht nur für die Kommunikation mit Familien genutzt, sondern zunehmend auch für die Umsetzung digitaler Screening- und Präventionsangebote.
Erreichbar trotz Wechsel der Mobilnummer
Ein leidiges Problem jeder Praxis – wechselnde Mobilnummern der Eltern – es ist kaum möglich, da immer auf dem aktuellen Stand zu sein. Da aber die App beim Synchronisieren des neuen mit dem alten Smartphone mit übertragen wird, sind unsere Patient:innen auch über das neue Gerät erreichbar – obwohl wir die neue Nummer noch gar nicht kennen. Darin sehen wir einen großen Vorteil der App – die Kommunikation bleibt erhalten.
Datensicherheit
Da ich mich sowohl in „Praxisfieber“ (dem sozialen Forum für MFAs im BVKJ) informiere als auch direkte Rückmeldungen aus meiner Referententätigkeit für den BVKJ (Abrechnung und Praxismanagement) habe, kann ich aus eigener Erfahrung sagen: Viele Praxen sind skeptisch in Bezug auf die Digitalisierung – Faxe und Telefon bilden meistens noch den Kommunikationsstandard. Aufgrund negativer Pressemeldungen über die Datensicherheit kommerzieller Anbieter sozialer Netzwerke werden auch vereinzelt Bedenken bezüglich der App-gestützten Kommunikation geäußert. Die PraxisApp der Fa. Monks arbeitet jedoch mit einem für medizinische Sachverhalte zertifizierten System, das die Datensicherheit verlässlich gewährleistet.
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Digitale Tagebücher (Asthma-, Bauchschmerz-, Kopfschmerz-, Rheuma-, Schlaf-Tagebuch)
Fazit
Zusammenfassend haben wir sehr gute Erfahrungen gemacht mit diesem sehr direkten Medium „PraxisApp“, das über das bisher Dargestellte hinaus auch eine Videosprechstunde, eine Chatfunktion und digitale Tagebücher für unsere Patient:innen zur Verfügung stellt. Dies alles sind neue Angebote, die es ermöglichen, unsere Patient:innen ohne Bindung an Praxisöffnungszeiten zu erreichen. Das Arzt-Patienten-Behandlungsbündnis wie auch die Bindung an unsere Praxis wird enorm gestärkt.
Darüber hinaus eröffnet die PraxisApp neue Möglichkeiten für digitale Präventions- und Versorgungsangebote, die sowohl Familien als auch teilnehmenden Praxen zugutekommen können.
Sonja Mizich, Leitende MFA, Kinder- und Jugendarztpraxis am Tiergarten, Nürnberg
Buchung und Anmeldung über BVKJ unter: https://www.monks-aerzte-im-netz.de/praxisapp/anmeldung-fuer-aerzte/
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