HPV: Auch für Männer ein wichtiges Thema!
Viele denken bei Humanen Papillomviren (HPV), dass es ein Frauenthema sei. Doch auch Männer können betroffen sein – sie können sich nicht nur mit HPV infizieren und diese übertragen, sondern auch in bestimmten Fällen daran erkranken. Erfahren Sie, wie häufig HPV auch Männer betreffen kann!
Infektionen mit HPV gehören zu den häufigsten sexuell übertragbaren Infektionen.1 Sie sind weltweit sowohl bei Frauen als auch bei Männern sehr verbreitet und können während des gesamten Lebens erfolgen.1–3 Die meisten sexuell aktiven Menschen infizieren sich mindestens einmal in ihrem Leben mit HPV.1
Männer unterliegen einem lebenslangen Infektionsrisiko
Eine HPV-Infektion kann auch bei Männern während des gesamten Lebens erfolgen.3 Dies zeigte u. a. eine US-Studie, die zwischen 2013 und 2014 u. a. die Anzahl der Krankheitsfälle von genitalen HPV-Infektionen bei erwachsenen Männern untersuchte.3 Besonders häufig waren Infektionen im Alter von 28 bis 32 Jahren und später nochmals im Alter von 58 bis 59 Jahren (Abb. 1).3

Abbildung 1: HPV-Prävalenz bei Männern (mod. von MSD nach Han J et al. 2017)
Darüber hinaus ist weltweit und europaweit fast jeder dritte Mann mit mindestens einem genitalen HPV-Typ und fast jeder fünfte Mann mit einem Hochrisiko-HPV-Typ infiziert. Der Prävalenzhöhepunkt liegt dabei zwischen 25 und 29 Jahren.4
Studie zeigte: Männer entwickelten nach HPV-Infektion selten schützende Antikörper
Nach einer natürlichen HPV-Infektion entwickelten Männer nur selten nachweisbar Serum-HPV-Antikörper (7,7 %).5 Das zeigte eine multinationale prospektive Studie, die zwischen 2005 und 2009 durchgeführt wurde und Männer im Alter von 18 bis 70 Jahren einschloss.5 Das bedeutet: Sie könnten sich leichter erneut anstecken.5
Genitalwarzen: Eine häufige HPV-bedingte Erkrankung bei Männern
Eine Infektion mit einem Niedrigrisiko-HPV-Typ kann zu Genitalwarzen, sog. Condylomata acuminata, führen.1 Diese stellen die häufigste HPV-assoziierte Erkrankung im äußeren anogenitalen Bereich dar.1 Etwa jeder 10. Mann erkrankt im Laufe seines Lebens daran.6
Genitalwarzen können bei Männern als einzelne bis beetartige Papeln am Penis, Hodensack und Anus auftreten.1 Sie sind zwar gutartig, aber unangenehm, können wiederkehren und belasten viele Patient:innen.1,7,8
HPV-bedingte Krebserkrankungen: Ein ernstzunehmendes Risiko für Männer
Neben dem Risiko, durch HP-Viren Genitalwarzen zu entwickeln, besteht für Männer auch die Gefahr, an bestimmten HPV-bedingten Krebserkrankungen zu erkranken: In Deutschland erkranken jedes Jahr etwa 3.000 Männer an HPV-bedingten Krebsarten.9

Abbildung 2: Auszug aus den geschätzten jährlichen Neuerkrankungen an gewissen HPV-bedingten Krebserkrankungen bei Männern in Deutschland (2021). Schätzung der Inzidenzen, basierend auf der Datenbank des Zentrums für Krebsregisterdaten (Abbildung mod. von MSD nach dem Zentrum für Krebsregisterdaten 2021*).10
Analkrebs bei Männern: Wichtige Risikofaktoren im Fokus
Analkrebs ist ein bösartiger Tumor im Analkanal, der 3 bis 5 cm lang ist und an das Rektum anschließt.11 Die Entstehung des Analkarzinoms ist in 80 bis 85 % der Fälle mit einer Infektion durch HPV bedingt.12 Laut den Schätzungen zur jährlichen Zahl an HPV-bedingten Krebserkrankungen in Deutschland (2021) traten bei Männern jährlich rund 700 bis 733 Fälle von Analkrebs auf, die auf eine HPV-Infektion zurückzuführen sind.10
Risikofaktoren für den Erwerb einer HPV-Infektion sind:
- Eine hohe Anzahl an Sexualpartnern, unabhängig von Geschlecht, sexueller Orientierung und Sexualpraktiken11
- Rezeptiver Analverkehr 11
- Männer, die Sex mit Männern haben (MSM), insbesondere HIV-positive MSM11,13
Psychische Auswirkungen von HPV-bedingten Erkrankungen
Menschen mit bestimmten HPV-bedingten Erkrankungen leiden oft auch psychisch darunter.8,11,14 Genitalwarzen werden beispielsweise häufig als unangenehm oder unansehnlich empfunden, was die Lebensqualität der Betroffenen beeinträchtigen kann.7,8 Auch bei Analkrebs können zusätzliche Belastungen auftreten, wie Probleme in der Sexualität, die sowohl für die Betroffenen selbst als auch für ihre Partnerinnen und Partner schwierig sein können.11
HPV-Impfung als wichtigste Präventionsmaßnahme
Die wichtigste Präventionsmaßnahme, um bestimmten HPV-bedingten Krebsarten vorbeugen zu können, ist die HPV-Impfung.1 Zur Reduktion der Krankheitslast durch bestimmte HPV-assoziierte Tumoren empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) seit 2007 die HPV-Impfung zunächst für Mädchen (zuerst im Alter von 12–17 Jahren, seit 2014 für 9- bis 14-Jährige.15,16 Im Juni 2018 wurde die Empfehlung auf Jungen im Alter von 9 bis 14 Jahren ausgeweitet.1 Verpasste Impfungen sollten spätestens im Alter von 17 Jahren nachgeholt werden.17
Für Mädchen und Jungen zwischen 9 und 17 Jahren wird die HPV-Impfung von den gesetzlichen und in der Regel auch von den privaten Krankenversicherungen bezahlt. Viele Krankenversicherungen haben ihre Leistungen darüber hinaus ausgeweitet und übernehmen auf Anfrage die Impfkosten auch für junge Frauen und Männer über 18 Jahre. Denn wie die STIKO bestätigt, können auch junge Erwachsene ab einem Alter von 18 Jahren noch von einer Impfung profitieren.17 Auch wenn es schon zu einer Infektion mit einem oder mehreren HPV-Typen gekommen ist, kann die Impfung trotzdem noch vor den anderen in der Impfung enthaltenen Typen schützen, mit denen man noch nicht infiziert ist.18,19
Sie benötigen praxisrelevante Details zu Dosierung, Anwendung oder Kostenübernahme bei Erwachsenen?
Dann empfehlen wir den Beitrag: „HPV-Impfung: Was MFAs zur Verordnung und Abrechnung wissen sollten“
Die HPV-Impfung in Deutschland: Status quo
Bislang gelten nicht genug Kinder und Jugendliche im Alter von 9 bis 17 Jahren in Deutschland als vollständig geimpft: Im Jahr 2023 galten bundesweit nur 34 % der 15-jährigen Jungen als vollständig geimpft.20
Ihre Praxis kann Ihren Teil zur Aufklärung über HPV und die HPV-Impfung beitragen! Helfen Sie dabei, die Impfquoten zu verbessern und Immunisierungen nachzuholen, sodass mehr Mädchen und Frauen sowie Jungen und Männer von der Impfung zur Prävention von bestimmten HPV-bedingten Erkrankungen profitieren können. Sehen Sie sich daher unsere Maßnahmen-Liste an und machen Sie den Check!
Maßnahmen-Liste checken!
- Sprechen Sie die HPV-Impfung bei jeder Gelegenheit an und prüfen Sie den HPV-Impfstatus, unabhängig von Alter und Geschlecht der Patient:innen
- Informieren Sie über die mit einer HPV-Impfung verbundene Prävention von bestimmten HPV-bedingten Erkrankungen
- Vereinbaren Sie zeitnahe Impftermine
Wie erkennen Sie impfgeeignete Erwachsene im Praxisalltag? Wir unterstützen Sie dabei! Jetzt im Beitrag HPV-Impfung bei Erwachsenen: Wer kommt infrage – und wie erkenne ich geeignete Patienten im Praxisalltag? gängige Patientenprofile ansehen und Impfempfehlung aussprechen!
Abkürzungen
HPV: Humane Papillomviren
HIV: Humanes Immundefizienz-Virus
MSM: Männer, die Sex mit Männern haben
STIKO: Ständige Impfkommission
Quellen
- RKI. RKI-Ratgeber Humane Papillomviren; Erstveröffentlichung im Epidemiologischen Bulletin 27/2018. Letzte Aktualisierungen: Dezember 2023 [abgerufen am 05.12.2025]. Verfügbar unter: https://www.rki.de/DE/Aktuelles/Publikationen/RKI-Ratgeber/Ratgeber/Ratgeber_HPV.html?nn=16777040.
- Bruni L et al. Cervical human papillomavirus prevalence in 5 continents: meta-analysis of 1 million women with normal cytological findings. J Infect Dis 2010; 202(12):1789–99.
- Han JJ et al. Prevalence of Genital Human Papillomavirus Infection and Human Papillomavirus Vaccination Rates Among US Adult Men: National Health and Nutrition Examination Survey (NHANES) 2013-2014: (inkl. Supplementary Online Content). JAMA Oncol 2017; 3(6):810–6.
- Bruni L et al. Global and regional estimates of genital human papillomavirus prevalence among men: a systematic review and meta-analysis. Lancet Glob Health 2023; 11(9):e1345-e1362.
- Giuliano AR et al. Seroconversion Following Anal and Genital HPV Infection in Men: The HIM Study. Papillomavirus Res 2015; 1:109–15.
- Joura EA, Joura MI. Warum ist die HPV-Impfung von Jungen sinnvoll? Gynakologe 2021; 54(11):796–800.
- Lacey CJN et al. Chapter 4: Burden and management of non-cancerous HPV-related conditions: HPV-6/11 disease. Vaccine 2006; 24 Suppl 3:S3/35-41.
- Dominiak-Felden G et al. Impact of human papillomavirus-related genital diseases on quality of life and psychosocial wellbeing: results of an observational, health-related quality of life study in the UK; BMC Public Health 2013, 13: 1065 [abgerufen am 18.09.2025]. Verfügbar unter: http://www.biomedcentral.com/1471-2458/13/1065.
- Robert Koch-Institut. Antworten auf häufig gestellte Fragen (FAQ) zu HPV-Impfung und HPV-Infektion; Stand: 07.07.2025 [abgerufen am 05.12.2025]. Verfügbar unter: https://www.rki.de/SharedDocs/FAQs/DE/Impfen/HPV/FAQ-Liste_HPV_Impfen.html?nn=16906560.
- Robert Koch Institut (RKI), Zentrum für Krebsdatenregister. Wie viele Krebserkrankungen in Deutschland lassen sich auf eine HPV-Infektion zurückführen?; 2025 [abgerufen am 05.12.2025]. Verfügbar unter: https://www.krebsdaten.de/Krebs/DE/Content/ZfKD/Projekte/Projekte_Schwerpunkte/HPV.html.
- AWMF online. S3-Leitlinie Analkarzinom (Diagnostik, Therapie und Nachsorge von Analkanal- und Analrandkarzinomen) [abgerufen am 05.12.2025]. Verfügbar unter: https://register.awmf.org/assets/guidelines/081-004OLl_Analkarzinom_Diagnostik-Therapie-Nachsorge-Analkanalkarzinom-Analrandkarzinom_2020-12_abgelaufen.pdf.
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- Rieck T et al. Impfquoten in Deutschland – aktuelle Ergebnisse aus dem RKI-Impfquotenmonitoring Epid Bull 2024;50:3-10; 2024 [abgerufen am 05.12.2025]. Verfügbar unter: https://edoc.rki.de/bitstream/handle/176904/12350.3/EB-50-2024_10-25646-12956-3.pdf?sequence=6&isAllowed=y.
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