HPV-Infektionen kennen keine Altersgrenze: Warum eine HPV-Impfung auch für Frauen ab 27 individuell noch sinnvoll sein kann
Eine Infektion mit humanen Papillomviren (HPV) kann neben Genitalwarzen auch ursächlich für bestimmte HPV-bedingte Krebsarten sein, wie beispielsweise Gebärmutterhalskrebs und Analkarzinome.1 Die wichtigste Präventionsmaßnahme, um bestimmten HPV-bedingten Erkrankungen vorzubeugen, ist die HPV-Impfung.2
Mögliches lebenslanges HPV-Infektionsrisiko
HPV-Infektionen sind bei Frauen nicht auf das Jugendalter beschränkt, sondern können auch im mittleren und höheren Erwachsenenalter auftreten.3 In einer 2024 publizierten Übersichtsarbeit wurde in 121 Studien (zwischen 1997 und 2023) die Prävalenz, also wie viele Menschen zu einem bestimmten Zeitpunkt infiziert waren, von einzelnen und multiplen HPV-Infektionen bei 1.682.422 Frauen untersucht.3 Global lag der Prävalenzhöhepunkt mit 20,93 % bei Frauen unter 30 Jahren; die Prävalenz sank anschließend in der Altersgruppe der 30- bis 50-Jährigen auf 16,27 % und zeigte bei Frauen ab 50 Jahren wieder einen leichten Anstieg auf 18,69 %.3
Immunogenität der HPV-Impfung bei Frauen bis 45 Jahre
In einer Phase-III-Studie wurde die Immunogenität, also die Fähigkeit eines Stoffes, hier eines Impfstoffes, eine Immunantwort (u. a. Antikörperbildung) auszulösen, und Sicherheit eines HPV-Impfstoffs bei Frauen im Alter von 27 – 45 Jahren im Vergleich zu Frauen im Alter von 16 – 26 Jahren untersucht (n = 642 vs. n = 570).4
Das primäre Studienziel war es zu zeigen, dass Frauen im Alter von 27 – 45 Jahren nach der HPV-Impfung vergleichbar viele Antikörper bildeten wie jüngere Frauen im Alter von 16 – 26 Jahren.4
Die Ergebnisse der Studie belegten:
- Die Immunantwort bei 27 – 45-jährigen Frauen war derjenigen bei 16 – 26-Jährigen nicht unterlegen.4
- Das Sicherheitsprofil war vergleichbar.4
Diese Daten zeigten, dass auch Frauen zwischen 27 und 45 Jahren eine robuste Immunantwort entwickeln können.4
Jede Gelegenheit nutzen: Impfberatung im Praxisalltag
Zwar können auch Frauen ab 27 Jahren noch individuell von einer Impfung profitieren,5 doch im hektischen Praxisalltag ist es oft herausfordernd, infrage kommende Patientinnen zu identifizieren. Achten Sie auf junge Frauen, die zu einer Beratung zu Kontrazeption kommen, Patientinnen mit familiärer Krebsbelastung, bei Trennung, Partnerwechsel, Kinderwunsch oder auffälligem Pap-Abstrich in der Anamnese, Vorsorgebewusste mit Interesse an Prävention oder akut vorstellige Patientinnen, bei denen sich ein Impfpass-Check anbietet.
MFAs haben eine Schlüsselrolle
Ihre Praxis kann Ihren Teil zur Aufklärung über HPV und die HPV-Impfung beitragen! Auch Sie können dabei helfen, die Impfquoten zu verbessern und Immunisierungen nachzuholen, sodass mehr Frauen von einer Impfung zur Vorbeugung von bestimmten HPV-bedingten Krebserkrankungen profitieren können. Sehen Sie sich daher die Maßnahmen-Liste an und machen Sie den Check!
1. Identifizierung geeigneter Patientinnen
- Sprechen Sie erwachsene Frauen ab 27 Jahren aktiv auf ihren Impfstatus an.
-
Nutzen Sie reguläre Praxisbesuche für den Einstieg ins Gespräch. Zum Beispiel:
„Bringen Sie doch zum nächsten Termin Ihren Impfpass mit, dann prüfen wir Ihren HPV-Impfstatus.“
2. Impfpass einfordern und sichten
- Erinnern Sie bereits bei der Terminvergabe an den Impfpass – z. B. mündlich oder durch einen Hinweis auf dem Terminzettel.
- Nutzen Sie Routinetermine, um den Impfstatus zu überprüfen und fehlende Impfungen im Team abzustimmen.
3. Verständlich informieren und motivieren
- Stellen Sie gut verständliches Informationsmaterial zur Verfügung – idealerweise ohne Fachbegriffe.
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Zum Beispiel:6
„Etwa 80 % der Menschen infizieren sich im Laufe ihres Lebens mit HPV – viele mehrfach.“
4. Impftermin möglichst zeitnah ermöglichen
- Bieten Sie, wenn möglich, direkt einen Impftermin an – idealerweise noch am selben Tag.
5. Kostenübernahme thematisieren
- Weisen Sie darauf hin: Die meisten gesetzlichen und viele private Krankenversicherungen erstatten die Kosten für die HPV-Impfung unter Umständen.
Weitere Informationen zur HPV-Impfung gesucht?
Sie möchten mehr über Strategien zur Eliminierung des Gebärmutterhalskrebs erfahren? Lesen Sie unseren Beitrag: „Weltweite Strategien zur Eliminierung von Gebärmutterhalskrebs – wo steht Deutschland?“.
Sie benötigen praxisrelevante Details zu Dosierung, Anwendung oder Kostenübernahme bei Erwachsenen?
Dann empfehlen wir den Beitrag: „HPV-Impfung: Was MFAs zur Verordnung und Abrechnung wissen sollten“ Hier erhalten Sie einen kompakten Überblick darüber, wie geimpft wird, was bei der Anwendung zu beachten ist und wie gesetzliche sowie private Krankenkassen die Impfungen verordnen und abrechnen.
Abkürzungen
HPV: Humane Papillomviren
STIKO: Ständige Impfkommission
Quellen
- Deutsches Krebsforschungszentrum (dkfz). Humane Papillomviren (HPV) als Krebs-Auslöser: Absteckung, Krebsrisiko, HPV Test; 2021 [abgerufen am 06.05.2026]. Verfügbar unter: https://www.krebsinformationsdienst.de/vorbeugung/risiken/hpv2.php.
- RKI. RKI-Ratgeber Humane Papillomviren; Erstveröffentlichung im Epidemiologischen Bulletin 27/2018. Letzte Aktualisierungen: Dezember 2023 [abgerufen am 06.05.2026]. Verfügbar unter: https://www.rki.de/DE/Aktuelles/Publikationen/RKI-Ratgeber/Ratgeber/Ratgeber_HPV.html.
- Zhou D et al. Heliyon 2024; 10(17):e35736.
- Joura EA et al. Vaccine 2021; 39(20):2800–9.
- Robert Koch-Institut (RKI). Ständige Impfkommission. Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) beim Robert Koch-Institut 2026 Epid Bull 2026;4:1- 79; 2026 [abgerufen am 06.05.2026]. Verfügbar unter: https://www.rki.de/DE/Aktuelles/Publikationen/Epidemiologisches-Bulletin/2026/04_26.pdf?__blob=publicationFile.
- Robert Koch-Institut. Antworten auf häufig gestellte Fragen (FAQ) zu HPV-Impfung und HPV-Infektion; Stand: 07.07.2025 [abgerufen am 06.05.2026]. Verfügbar unter: https://www.rki.de/SharedDocs/FAQs/DE/Impfen/HPV/FAQ-Liste_HPV_Impfen.html?nn=16906560.
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