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Ferienzeit ist auch HPV-Zeit. Denn HPV macht keine Ferien.

Ferienzeit ist auch HPV-Zeit. Denn HPV macht keine Ferien.

Schuljahr vorbei, Impfpass gecheckt? Alle wichtigen Informationen zur HPV-Impfung und warum diese so wichtig ist.

Mit dem Übergang von der Grundschule in die weiterführende Schule stehen Kinder vor neuen Herausforderungen und Veränderungen und auch so ist der Schulstart nach den Ferien eine wichtige Zeit für viele Kinder. In der Kinderarztpraxis sollte diese Übergangszeit auch als eine Gelegenheit genutzt werden, um auf die HPV-Impfung hinzuweisen. Dafür haben wir Ihnen in diesem Beitrag hilfreiche Tipps für ein erfolgreiches HPV-Impfinformationsgespräch zusammengestellt.

Auch die Schulwechselphase bietet, besonders während der Ferienzeit, eine ausgezeichnete Möglichkeit, um auf eine frühzeitige HPV-Impfung hinzuweisen und diese durchzuführen. Dabei ist HPV und ebenso die HPV-Impfung ein Thema, das nicht auf bestimmte Jahreszeiten beschränkt ist, sondern das ganze Jahr über relevant, denn Humane Papillomviren sind so verbreitet, dass sich die meisten Menschen im Laufe ihres Lebens anstecken.1 In Deutschland erkranken jährlich etwa 7.800 an HPV-bedingten Karzinomen und ca. 4 Frauen sterben täglich an Gebärmutterhalskrebs.2,3 Eine frühzeitige Impfung kann bestimmten HPV-bedingte Krebserkrankungen vorbeugen.4 Deshalb ist die HPV-Impfung so wichtig – und das für alle Kinder.

Empfehlung zur HPV-Impfung für Mädchen UND Jungen

In Deutschland empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut die HPV-Impfung für Mädchen seit 20075 und seit 2018 auch für Jungen.6 Die Impfung soll laut Empfehlung im Alter von 9 bis 14 Jahren erfolgen.7 Spätestens bis zum Alter von 17 Jahren sollen versäumte Impfungen gegen HPV nachgeholt werden.7 Die Impfquoten zeigen jedoch, dass in Deutschland viele Personen, die bereits 18 Jahre alt sind, nicht gegen HPV geimpft sind.8 Im Jahr 2020 lag der Anteil vollständig geimpfter Mädchen im Alter von 18 Jahren nur bei etwa der Hälfte (54,1 %), bei den Jungen war nicht einmal jeder Zehnte (8,1 %) vollständig geimpft.8
Dabei sollte die vollständige Impfserie vor dem ersten Sexualkontakt abgeschlossen sein.9 Um dies zu erreichen, sind besonders Sie gefragt: Nutzen Sie jede sich bietende Gelegenheit, insbesondere auch die Ferien vor dem Schulwechsel und die Vorsorgeuntersuchungen U11 und J1, um Eltern aktiv an die Bedeutung der HPV-Impfung zu erinnern. Informieren Sie über die mit einer HPV-Impfung verbundenen Prävention von bestimmten HPV-bedingten Erkrankungen.

Sie haben Einfluss auf die Impfentscheidung 

Ob Eltern ihre Kinder impfen lassen oder nicht, ist unter anderem von folgenden Faktoren abhängig:10 

  • vom Wissen der Eltern über die Impfung, 
  • von der Empfehlung des Praxisteams
  • sowie von der Stärke dieser Empfehlung.

Neben einer ausführlichen ärztlichen Aufklärung – inklusive Nutzen und Risiken der Impfung – ist es für das Gespräch mit Eltern auch wichtig, sich klar für eine Impfung auszusprechen. Als effektive Kommunikationsstrategie erwiesen sich Botschaften, die sich auf persönliche Entscheidungen, sowie persönliche Erfahrungen, stützten.10

Zögernde Eltern wünschen sich mehr Informationen

Impfskeptische Eltern von einer Impfung zu überzeugen, kann herausfordernd sein. Aus Überlegungen zur Erhöhung der HPV-Impfquote in Deutschland geht hervor, dass die ärztliche Aufklärung dabei besonders im Fokus stehen sollte.11 So zeigte eine bevölkerungsbezogene Erhebung, dass nur 24,5 % der Erwachsenen in Deutschland von HPV gehört haben und nur 45 % von ihnen bekannt war, dass es eine Impfung zur Vorbeugung bestimmter HPV-bedingter Erkrankungen gibt.11, 12 In einer Studie zur Sichtweise zögernder Eltern bei der Entscheidungsfindung zur HPV-Impfung von wurden insgesamt 22 Eltern befragt, die ihr Kind nicht impfen lassen wollten.13 Die meistgenannten Gründe waren mangelndes Vertrauen in das eigene Wissen über die Impfung, in den Nutzen und in die Nebenwirkungen sowie der damit einhergehende Wunsch nach mehr Informationen.13 Die Eltern gaben an, dass ihr Zögern häufig durch negative Berichte anderer Eltern verursacht wurde.13

Informationen für Eltern priorisieren

Als häufigste Informationsquelle zum Thema HPV-Impfung wurden Pädiater:innen angegeben.13 Gleichzeitig nannten viele Eltern als Grund für ihr Zögern, dass die Zeit fehlt, um mit der/dem Kinderärzt:in ihre Bedenken zu besprechen.13 Sie äußerten den Wunsch nach detaillierten Informationen über die Vorteile und Risiken der Impfung.13 Zu den Verbesserungsvorschlägen der befragten Eltern gehörten z. B. eine Liste mit Fragen, die bei der Vorbereitung auf den Besuch in der Kinderarztpraxis helfen.13 Strategien, die den Eltern das Gefühl geben, informiert zu sein und Vertrauen in ihre Entscheidung zur Impfung zu haben, könnten demnach nützlich sein, um impfscheue Eltern zu motivieren, ihre Kinder gegen HPV impfen zu lassen.13

Entscheidung fällt in der Kinderarztpraxis

Auch MFAs haben eine besondere Schlüsselrolle, wenn es darum geht über die HPV-Impfung in ihrer Praxis zu informieren und auf die Impfung bei älteren Kindern hinzuweisen, bevor sie aus der Kostenerstattung herausfallen.11 Sowohl für Jungen als auch Mädchen konnte gezeigt werden, dass die Mehrheit aller HPV-Impfungen vor allem bei Jüngeren (9-14 Jahre) in der Kinderarztpraxis stattfindet: Die Erstimpfungen bei den Mädchen wurde in 61 % der Fälle in der Kinderarztpraxis verabreicht, bei den Jungen sogar in 77 %. Erst bei den 15- bis 17-Jährigen wurde vermehrt bei Hausärzt:innen und bei den Mädchen auch bei Frauenärzt:innen (Abb. 1).11

Abbildung 1: Verteilung der Facharztgruppen für die Verabreichung der Erstdosen von HPV-Impfung nach Geschlecht und Altersgruppe der Patienten zwischen 2018 und 2021
(Abbildung modifiziert von MSD nach Daten von Wähner C et al. 2023)11

Tipps für ein erfolgreiches HPV-Informationsgespräch für Mädchen und Jungen

  1. HPV als Standardimpfung benennen10, 14
    „Das ist eine Standardimpfung gegen bestimmte HPV-Erkrankungen. Die Impfung kann z. B. vor bestimmten Krebsvorstufen und Krebsarten schützen, die durch HPV ausgelöst werden.“
  2. Aussagen treffen statt Fragen formulieren15
    Statt: „Haben Sie schon mal über eine HPV-Impfung nachgedacht?“ „Jetzt steht die HPV-Impfung an.“
  3. Impfung direkt am selben Tag!16
    „Am besten noch heute impfen!“ – oder einen Impftermin vereinbaren.“
  4. Früh impfen, Thema Sexualität umgehen2, 10
    „2 Spritzen mit 9, statt 3 mit 15 Jahren.“

Denken Sie daran, dass möglichst früh geimpft werden sollte. Die Impfung sollte idealerweise durchgeführt werden, bevor es zu einem möglichen Kontakt mit HPV kommt. Nutzen Sie daher auch die Ferien vor dem Schulwechsel und die Vorsorgeuntersuchungen U11 und J1, um auf die HPV-Impfung hinzuweisen.

Sie können dabei helfen Immunisierungen nachzuholen, sodass mehr Mädchen und Jungen von einem Schutz vor bestimmten HPV-bedingten Erkrankungen profitieren können. Nutzen Sie auch die Sommerferien und weisen Sie konkret auf eine HPV-Impfung hin, als ihr Beitrag zur Krebsprävention.

Sie möchten mehr dazu erfahren? Hier erfahren Sie welche wichtige Rolle das Team der Kinderarztpraxis für die Impfentscheidung der Eltern von Impflingen spielt.

Quellen

  1. IQWiG – Gesundheitsinformationen.de. Humane Papillomviren (HPV) [eingesehen am 09.08.23]. Available from: URL: https://www.gesundheitsinformation.de/humane-papillomviren-hpv.html.
  2. Robert Koch-Institut (RKI). RKI-Ratgeber Humane Papillomviren (HPV): Stand 2018 [Epid Bull 2018;27:256-258].
  3. Zentrum für Krebsregisterdaten. Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom) [eingesehen am 03.05.24]. Available from: URL: https://www.krebsdaten.de/Krebs/DE/Content/Krebsarten/Gebaermutterhalskrebs/gebaermutterhalskrebs_node.html.
  4. Robert Koch-Institut (RKI). AG HPV der Ständigen Impfkommission (STIKO): Wissenschaftliche Begründung für die Empfehlung der HPV-Impfung für Jungen im Alter von 9 bis 14 Jahren. Epid Bull 2018;26:233 – 250.
  5. Robert Koch-Institut (RKI). Epidemiologisches Bulletin. Epid Bull 2007; (12):97–106.
  6. AG der Ständigen Impfkommission (STIKO). Wissenschaftliche Begründung für die Empfehlung der HPV- Impfung für Jungen im Alter von 9 bis 14 Jahren: Epid Bull 2018;26:233 – 250.
  7. Robert Koch-Institut (RKI). Ständige Impfkommission: Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) beim Robert Koch-Institut 2024: Epid Bull 2024;4:1- 72.
  8. Robert Koch-Institut (RKI). Impfquoten von Kinderschutzimpfungen in Deutschland – aktuelle Ergebnisse aus der RKI-Impfsurveillance: Stand: Dezember 2022. Epid Bull 2022; 48: 1-28.
  9. Robert Koch-Institut. Faktenblatt HPV-Impfung; 2022 [eingesehen am 25.04.24]. Available from: URL: https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/Impfen/Materialien/Faktenblaetter/HPV.html.
  10. Attia AC et al. On surmounting the barriers to HPV vaccination: we can do better. Ann Med 2018; 50(3):209–25.
  11. Wähner C et al. Uptake of HPV vaccination among boys after the introduction of gender-neutral HPV vaccination in Germany before and during the COVID-19 pandemic. Infection 2023:1–12.
  12. Sharma SJ et al. Awareness of Human Papillomavirus (HPV) and HPV Vaccination amongst the General Population in Germany: Lack of Awareness and Need for Action. Oncol Res Treat 2022; 45(10):561–7.
  13. Beavis AL et al. Exploring HPV vaccine hesitant parents‘ perspectives on decision-making and motivators for vaccination. Vaccine X 2022; 12:100231.
  14. Ständige Impfkommission:. Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) beim Robert Koch-Institut 2023, Epid Bull 2023;4:3- 68.
  15. CDC. Talking with Parents about Vaccines for Infants; 2018.
  16. CDC. Talking to parents about HPV vaccines; 2018.

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