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HPV-Impfung: Antworten auf 15 häufige Fragen

HPV-Impfung: Antworten auf 15 häufige Fragen

Humanes Papillomvirus (HPV) – Was bedeutet das? Warum ist die Impfung dagegen sinnvoll? Für wen wird die HPV-Impfung empfohlen? Kann noch gegen HPV geimpft werden, wenn der erste Geschlechtsverkehr schon stattgefunden hat? Antworten auf diese und weitere Fragen erhalten Sie hier!

HPV-Impfung: Häufige Fragen und Antworten

Infektionen mit Humanen Papillomviren, kurz HPV, gehören zu den häufigsten durch Intimkontakte übertragbaren Infektionen. Die Viren dringen über kleinste Verletzungen in den Körper ein. Infektionen mit HPV können sowohl Frauen als auch Männer betreffen. Weil HPV weltweit so verbreitet ist, infizieren sich die meisten sexuell aktiven Menschen mindestens einmal in ihrem Leben damit.

Bekannt sind dabei mittlerweile über 200 verschiedene Virustypen. Einige davon können die Bildung von meist gutartigen Feigwarzen (Genitalwarzen) verursachen, andere Virustypen können jedoch auch an der Entstehung von Gebärmutterhalskrebs sowie bestimmter anderer Krebsarten beteiligt sein: Beispielweise an Vulva, Vagina oder Anus. In Deutschland erkranken jedes Jahr ca. 6.250 Frauen und 1.600 Männer an HPV-bedingten Krebsarten. Allein an einem Gebärmutterhalskrebs erkranken jedes Jahr ca. 4.500 Frauen neu und etwa 1.500 Frauen versterben daran.

1. Warum ist die Impfung gegen HPV sinnvoll?

Die HPV-Impfung stellt die wichtigste Schutzmaßnahme gegen HPV-Infektionen dar. HPV-Impfstoffe können nur vor einer Infektion mit den im jeweiligen Impfstoff enthaltenen HPV-Typen schützen und damit der Entstehung der durch sie verursachten Erkrankungen vorbeugen. Die HPV-Impfung kann je nach verwendetem HPV-Impfstoff vor bestimmten HPV-assoziierten Krebsvorstufen und Karzinomen der Zervix, Vulva, Vagina und des Anus sowie vor Genitalwarzen schützen.

2. Wer wird wie gegen HPV geimpft?

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Impfung gegen HPV sowohl für Mädchen als auch Jungen, um die Krankheitslast durch bestimmte HPV-bedingte Krebserkrankungen zu reduzieren. Die Empfehlung gilt dabei für alle Kinder und Jugendlichen im Alter von 9 – 14 Jahren. Versäumte HPV-Impfungen sollen bis zum Alter von 17 Jahren nachgeholt werden. Die Impfserie sollte dabei vor dem ersten Sexualkontakt abgeschlossen sein. Dafür sind 2 Impfungen im Abstand von wenigstens 5 Monaten nötig. Eine 3. Impfung ist notwendig, wenn die Nachholimpfungen im Alter ≥ 15 Jahren erfolgt oder wenn der Impfabstand zwischen der 1. und der 2. Dosis weniger als 5 Monate beträgt.

3. Welcher Zeitpunkt ist optimal für die HPV-Impfung?

Die Impfung gegen HPV sollte idealerweise erfolgt sein, bevor der erste sexuelle Kontakt stattfindet. Dies liegt daran, dass ein Schutz gegen einen der in den jeweiligen Impfstoffen enthaltenen HPV-Typen nicht mehr in dem Maße erreicht werden kann, wenn es bereits zu einer Infektion mit diesem HPV-Typen gekommen ist.

4. Kann noch gegen HPV geimpft werden, wenn es bereits Sexualkontakt gab?

Ungeimpfte Mädchen und Jungen können und sollten auch nach dem ersten Geschlechtsverkehr noch gegen HPV geimpft werden: eine mögliche Infektion kann zwar in manchen Fällen anhaltend sein, ist jedoch in vielen Fällen nur vorübergehend und heilt von allein wieder ab. Doch auch wenn schon eine anhaltende Infektion mit bestimmten HPV-Typen stattgefunden haben sollte, kann die Impfung trotzdem noch gegen die anderen in den jeweiligen Impfstoffen enthaltenen HPV-Typen Schutz bieten. Je früher die Impfung nachgeholt wird, desto besser.

5. Sollte vor der Impfung auf eine HPV-Infektion getestet werden?

Eine HPV-Testung vor der Impfung ist nach derzeitigem Kenntnisstand nicht sinnvoll. Denn selbst ein positives Testergebnis würde noch nichts darüber aussagen, welches Risiko für die Entstehung von z. B. Gebärmutterhalskrebs bestehen könnte.

Hinzu kommt, dass eine einmalige Testung auch keine Auskunft geben kann, ob die Infektion nur vorübergehend oder anhaltend besteht.

6. Können sich auch Personen ≥ 18 Jahre gegen HPV impfen lassen?

Auch Personen im Alter ab 18 Jahren ohne bisherige HPV-Impfung können von einer HPV-Impfung profitieren. Allerdings kann die Wirksamkeit der Impfung vermindert sein bei Personen, die bereits mit HPV infiziert sind/waren. Das individuelle Risiko für das Vorliegen einer HPV-Infektion kann auch nach Beginn der sexuellen Aktivität unterschiedlich sein und ist zum Beispiel abhängig von der Anzahl an Sexualpartnern. Generell gilt: Ärzt:innen können im Rahmen der Zulassung auch ohne das Vorliegen einer Empfehlung der STIKO Personen > 17 Jahre gegen HPV impfen, denn alle verfügbaren HPV-Impfstoffe sind ohne Altersbegrenzung ab 9 Jahren zugelassen. Einige Krankenversicherungen haben ihre Leistungen darüber hinaus ausgeweitet und übernehmen auch für junge Frauen und Männer ≥ 18 Jahren die Kosten. Die Kostenübernahme muss hier individuell vorab mit der jeweiligen Krankenkasse geklärt werden.

7. Welche Nebenwirkungen sind bei der HPV-Impfung möglich?

Die durch das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) gesammelten Daten zeigen seit Einführung der HPV-Impfempfehlung im Jahr 2007 keine schweren unerwünschten Nebenwirkungen in ursächlichem Zusammenhang mit der HPV-Impfung. Zu dem gleichen Ergebnis kommt auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO).

In der Regel ist die Impfung gut verträglich. Nebenwirkungen, die sehr häufig nach der HPV-Impfung berichtet werden, sind lokale Reaktionen an der Einstichstelle wie Rötung, Schwellung und Schmerzen. Schwindel oder „Schwarz-Werden-Vor-Den-Augen“ wurde ebenfalls vermehrt beschrieben und sind meist Ausdruck von Angst bzw. Stress in Zusammenhang mit der Impfung. Diese Reaktionen lassen sich dabei bei Jugendlichen in gleichem Maße auch bei anderen Impfungen beobachten – die Impfung sollte daher nicht im Stehen durchgeführt werden.

8. Gibt es Unterschiede bei der Anwendung der HPV-Impfstoffe?

Die Anzahl der zu verabreichenden Impfstoffdosen hängt vom Alter bei Beginn der Impfserie und dem Impfabstand ab:

  • Bei Beginn der Impfserie im Alter von 9 – 14 Jahren können die verfügbaren HPV-Impfstoffe nach einem 2-Dosen-Impfschema verabreicht werden.
  • Eine 3. Impfung ist nötig, wenn die Impfung im Alter ≥ 15 Jahren erfolgt oder bei einem Impfabstand von < 5 Monaten zwischen der 1. und 2. Dosis.

9. Kann eine begonnene Impfserie mit einem anderen HPV-Impfstoff fortgesetzt werden?

Prinzipiell sollte die begonnene Impfserie möglichst mit dem HPV-Impfstoff vervollständigt werden, mit dem sie begonnen wurde.

10. Ist eine Auffrischimpfung erforderlich?

Derzeit ist noch nicht bekannt, ob eine Auffrischimpfung erforderlich ist, jedoch liegen zahlreiche Daten zur Langzeitwirksamkeit der Impfung vor. Es gibt Hinweise darauf, dass die Antikörper-Antwort nach einer HPV-Impfung über mehrere Jahre deutlich höher sein könnte, als die Immunantwort nach einer natürlichen HPV-Infektion.

11. Gibt es einen Einfluss auf das Sexualverhalten durch die HPV-Impfung?

Studien ergaben keine Hinweise darauf, dass die HPV-Impfung das Sexualverhalten beeinflussen könnte. Der Zeitpunkt der Aufnahme sexueller Kontakte, das Nutzungsverhalten von Kondomen und anderen Verhütungsmitteln und die Anzahl von Partnern blieben unverändert.

12. Stellen Kondome eine Alternative zur HPV-Impfung dar?

Humane Papillomviren werden über direkten Kontakt von Mensch zu Mensch übertragen. Die Ansteckung erfolgt nicht durch Körperflüssigkeiten wie Blut, Sperma oder Scheidenflüssigkeit, sondern über Haut- und Schleimhautkontakt, also den unmittelbaren Kontakt mit infizierten Haut- und Schleimhautbereichen. Trotz Nutzung eines Kondoms kann deswegen eine Übertragung bei sehr engem Körperkontakt stattfinden. Durch Kondomnutzung können HPV-Infektionen zwar verringert, aber nicht sicher verhindert werden.

13. Kann die HPV-Impfung das Krebsrisiko verringern?

Die HPV-Impfung wird von der STIKO empfohlen, um die Krankheitslast durch bestimmte HPV-assoziierte Krebserkrankungen zu verringern. Die HPV-Impfung kann je nach verwendetem Impfstoff bestimmten HPV-assoziierten Krebsvorstufen und Karzinomen der Zervix, Vulva, Vagina und des Anus vorbeugen. Allerdings ist es wichtig geimpfte Personen darauf hinzuweisen, dass die HPV-Impfung mit den aktuell verfügbaren Impfstoffen nicht gegen alle potenziell krebsauslösenden HPV-Typen schützt.

Warum es bislang nur wenige Studien gibt
Im Schnitt dauert es 10 – 30 Jahre, bis sich nach einer HPV-Infektion, über Bildung von Krebsvorstufen, z. B. ein Gebärmutterhalskrebs entwickelt. In Europa und den USA sind HPV-Impfstoffe seit 2006 zugelassen – in dieser Altersgruppe sind erst jetzt die ersten Fälle von Gebärmutterhalskrebs zu erwarten. Für die anderen HPV-bedingten Tumore an z. B. Vagina, Vulva oder Anus gelten vergleichbare oder noch längere Zeiträume bis zur Krebsentwicklung.

14. Ist nach der HPV-Impfung noch ein Gebärmutterhalskrebs-Screening nötig?

Die HPV-Impfung schützt nicht gegen alle potenziell krebsauslösenden HPV-Typen. Darum ist es wichtig, dass Mädchen unabhängig von einer erfolgten HPV-Impfung später unbedingt regelmäßig an dem empfohlenen Gebärmutterhals-Screening teilnehmen. Dadurch können Krebsvorstufen frühzeitig erkannt und behandelt werden.

15. In welchen Ländern wird sonst noch gegen HPV geimpft?

Es gibt Unterschiede in den Impfprogrammen für Jungen und Mädchen, was die HPV-Impfung angeht:

Mädchen: Ende 2022 hatten 125 Länder (64 %) die Impfung gegen HPV in ihr nationales Impfprogramm aufgenommen. Eine Impfempfehlung gegen HPV gibt es für Mädchen z. B. in allen Ländern der Europäischen Union (EU) sowie in Liechtenstein, Norwegen und Island.

Jungen: Eine Impfempfehlung gegen HPV für Jungen wurde in vielen dieser europäischen Länder ebenfalls eingeführt. Lediglich in Bulgarien, Estland, Island, Litauen, Malta und Rumänien gibt es lediglich eine Impfempfehlung für Mädchen. Weltweit hatten Ende 2022 allerdings nur 47 Länder (24 %) die Impfung gegen HPV in ihr nationales Impfprogramm aufgenommen.

Für Sie interessant:
Möchten Sie noch mehr über HPV, die möglichen Folgen einer Infektion und die HPV-Impfung wissen? Dann empfehlen wir Ihnen einen Blick auf die Initiative entschiedengegenkrebs.de! Hier finden sich auch interessante Informationen für Eltern und Jugendliche.

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