HPV-Impfung: Antworten auf 15 häufige Fragen
Humanes Papillomvirus (HPV) – Was bedeutet das? Warum ist die Impfung sinnvoll? Für wen wird die HPV-Impfung empfohlen? Kann noch mit der HPV-Impfung geimpft werden, wenn der erste Geschlechtsverkehr schon stattgefunden hat? Antworten auf diese und weitere Fragen erhalten Sie hier!
Infektionen mit Humanen Papillomviren, kurz HPV, gehören zu den häufigsten durch Intimkontakte übertragbaren Infektionen.1 Die Viren dringen über kleinste Verletzungen in den Körper ein.1 Infektionen mit HPV können sowohl Frauen als auch Männer betreffen.1 Weil HPV weltweit so verbreitet ist, infizieren sich die meisten sexuell aktiven Menschen mindestens einmal in ihrem Leben damit.1
Bekannt sind dabei mittlerweile über 200 verschiedene Virustypen.1 Einige davon können die Bildung von meist gutartigen Feigwarzen (Genitalwarzen) verursachen, andere Virustypen können jedoch auch an der Entstehung von Gebärmutterhalskrebs sowie bestimmter weiterer HPV-bedingter Krebsarten, beispielsweise am Anus, beteiligt sein.1 In Deutschland erkranken jedes Jahr bei ca. 7.000 Frauen und 3.000 Männer an HPV-bedingten Krebsarten.2 Die häufigste HPV-bedingte Krebsart ist der Gebärmutterhalskrebs, an dem in Deutschland im Jahr 2022 4.388 Frauen neu erkrankten und 1.413 Frauen verstarben.3
Die HPV-Impfung stellt die wichtigste Präventionsmaßnahme dar, um bestimmten HPV-bedingten Erkrankungen vorzubeugen.1
Die HPV-Impfung kann je nach verwendetem HPV-Impfstoff bestimmten HPV-assoziierten Krebsvorstufen und Karzinomen der Zervix, Vulva, Vagina und des Anus sowie Genitalwarzen vorbeugen.1
Die HPV-Impfung ist ab 9 Jahren möglich.4 Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die HPV-Impfung sowohl für Mädchen als auch Jungen, um die Krankheitslast durch bestimmte HPV-bedingte Krebserkrankungen zu reduzieren.5 Die Empfehlung gilt dabei für alle Kinder und Jugendlichen im Alter von 9 – 14 Jahren.5 Versäumte HPV-Impfungen sollen bis zum Alter von 17 Jahren nachgeholt werden.5 Die Impfserie sollte dabei vor dem ersten Sexualkontakt abgeschlossen sein. Dafür sind 2 Impfungen im Abstand von wenigstens 5 Monaten nötig. Eine 3. Impfung ist notwendig, wenn die Nachholimpfungen im Alter ≥ 15 Jahren erfolgt oder wenn der Impfabstand zwischen der 1. und der 2. Dosis weniger als 5 Monate beträgt.5
Die HPV-Impfung sollte idealerweise erfolgt sein, bevor der erste sexuelle Kontakt stattfindet.1 Dies liegt daran, dass eine Vorbeugung gegen Erkrankungen, die durch einen der in den jeweiligen Impfstoffen enthaltenen HPV-Typen verursacht werden, möglicherweise nicht mehr in gleichem Maße erreicht werden kann, wenn es bereits zu einer anhaltenden Infektion mit diesem HPV-Typen gekommen ist.1
Ungeimpfte Mädchen und Jungen können und sollten auch nach dem ersten Geschlechtsverkehr noch geimpft werden: Eine mögliche Infektion kann zwar in manchen Fällen anhaltend sein, ist jedoch in vielen Fällen nur vorübergehend und heilt von allein wieder ab.1 Doch auch wenn es schon zu einer Infektion mit einem oder mehreren HPV-Typen gekommen ist, kann die Impfung trotzdem noch den anderen in der jeweiligen Impfung enthaltenen Typen vorbeugen, mit denen man noch nicht infiziert ist.6,7 Je früher die Impfung nachgeholt wird, desto besser.2
Eine HPV-Testung vor der Impfung ist nach derzeitigem Kenntnisstand nicht sinnvoll.2 Denn selbst ein positives Testergebnis würde noch nichts darüber aussagen, welches Risiko für die Entstehung von z. B. Gebärmutterhalskrebs bestehen könnte.2
Hinzu kommt, dass eine einmalige Testung auch keine Auskunft geben kann, ob die Infektion nur vorübergehend oder anhaltend besteht.2
Auch Personen im Alter ab 18 Jahren ohne bisherige HPV-Impfung können noch individuell von einer HPV-Impfung profitieren.5 Allerdings kann die Wirksamkeit der Impfung vermindert sein bei Personen, die bereits mit HPV infiziert sind/waren.5 Das individuelle Risiko für das Vorliegen einer HPV-Infektion kann auch nach Beginn der sexuellen Aktivität unterschiedlich sein und ist zum Beispiel abhängig von der Anzahl an Sexualpartnern.1 Generell gilt: Ärzt:innen können im Rahmen der Zulassung auch ohne das Vorliegen einer Empfehlung der STIKO Personen > 17 Jahre mit der HPV-Impfung impfen, denn die in Deutschland verfügbaren HPV-Impfstoffe sind ab einem Alter von 9 Jahren ohne Altersobergrenze zugelassen.5 Einige Krankenversicherungen haben ihre Leistungen darüber hinaus ausgeweitet und übernehmen auch für junge Frauen und Männer ≥ 18 Jahren die Kosten.2 Die Kostenübernahme muss hier individuell vorab mit der jeweiligen Krankenkasse geklärt werden.2
Die durch das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) gesammelten Daten zeigen seit Einführung der HPV-Impfempfehlung im Jahr 2007 keine schweren unerwünschten Nebenwirkungen in ursächlichem Zusammenhang mit der HPV-Impfung.2 Zu dem gleichen Ergebnis kommt auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO).2
Einige nationale und internationale Gesundheitsbehörden bewerten die HPV-Impfung in der Regel als gut verträglich. Nebenwirkungen, die sehr häufig nach der HPV-Impfung berichtet werden, sind lokale Reaktionen an der Einstichstelle wie Rötung, Schwellung und Schmerzen.2 Schwindel oder „Schwarz-Werden-Vor-Den-Augen“ wurde ebenfalls vermehrt beschrieben und sind meist Ausdruck von Angst bzw. Stress in Zusammenhang mit der Impfung.2 Diese Reaktionen lassen sich dabei bei Jugendlichen in gleichem Maße auch bei anderen Impfungen beobachten – die Impfung sollte daher nicht im Stehen durchgeführt werden.2
Die Anzahl der zu verabreichenden Impfstoffdosen hängt vom Alter bei Beginn der Impfserie und dem Impfabstand ab:5
- Bei Beginn der Impfserie im Alter von 9 – 14 Jahren können die verfügbaren HPV-Impfstoffe nach einem 2-Dosen-Impfschema verabreicht werden.
- Eine 3. Impfung ist nötig, wenn die Impfung im Alter ≥ 15 Jahren erfolgt oder bei einem Impfabstand von < 5 Monaten zwischen der 1. und 2. Dosis.
Prinzipiell sollte die begonnene Impfserie möglichst mit dem HPV-Impfstoff vervollständigt werden, mit dem sie begonnen wurde.5
Derzeit ist noch nicht bekannt, ob eine Auffrischimpfung erforderlich ist, jedoch liegen zahlreiche Daten zur Evidenz der HPV-Impfung hinsichtlich bestimmter HPV-bedingter Erkrankungen vor.2,8 Es gibt Hinweise darauf, dass die Antikörper-Antwort nach einer HPV-Impfung über mehrere Jahre deutlich höher sein könnte, als die Immunantwort nach einer natürlichen HPV-Infektion.9
Studiendaten ergaben keine Hinweise darauf, dass die HPV-Impfung das Sexualverhalten beeinflussen könnte.10,11 Der Zeitpunkt der Aufnahme sexueller Kontakte, das Nutzungsverhalten von Kondomen und anderen Verhütungsmitteln und die Anzahl von Partnern blieben unverändert.
Humane Papillomviren werden über direkten Kontakt von Mensch zu Mensch übertragen. Die Ansteckung erfolgt nicht durch Körperflüssigkeiten wie Blut, Sperma oder Scheidenflüssigkeit, sondern über Haut- und Schleimhautkontakt, also den unmittelbaren Kontakt mit infizierten Haut- und Schleimhautbereichen.2 Trotz Nutzung eines Kondoms kann deswegen eine Übertragung bei sehr engem Körperkontakt stattfinden.2 Durch Kondomnutzung können HPV-Infektionen zwar verringert, aber nicht sicher verhindert werden.1
Die HPV-Impfung wird von der STIKO empfohlen, um die Krankheitslast durch bestimmte HPV-bedingte Krebserkrankungen zu verringern.5 Die HPV-Impfung kann je nach verwendetem Impfstoff bestimmten HPV-assoziierten Krebsvorstufen und Karzinomen der Zervix, Vulva, Vagina, des Anus sowie Genitalwarzen vorbeugen.1 Allerdings ist es wichtig geimpfte Personen darauf hinzuweisen, dass die HPV-Impfung mit den aktuell verfügbaren Impfstoffen nicht gegen alle potenziell krebsauslösenden HPV-Typen schützt.5
Warum es mittlerweile aussagekräftige Studiendaten gibt
Mittlerweile liegen eine Reihe großer populationsbasierter Studien aus verschiedenen Ländern vor, die zeigen, dass Frauen nach HPV-Impfung ein niedrigeres Risiko für Gebärmutterhalskrebs aufwiesen.12
Dass entsprechende Daten erst Jahre nach Einführung der HPV-Impfung verfügbar wurden, ist auf den natürlichen Verlauf der HPV-Infektion zurückzuführen: Zwischen einer HPV-Infektion und dem Auftreten von Krebsvorstufen am Gebärmutterhals vergehen in der Regel etwa 3 bis 6 Jahre, bis zur Entwicklung eines Zervixkarzinoms meist 10 bis 30 Jahre.2 Für andere HPV-bedingte Tumoren, beispielsweise an Vagina, Vulva oder Anus, werden vergleichbare oder teilweise noch längere Zeiträume bis zur Krebsentwicklung angenommen.2
Die HPV-Impfung kann nicht allen potenziell krebsauslösenden HPV-Typen vorbeugen.5 Darum ist es wichtig, dass Mädchen unabhängig von einer erfolgten HPV-Impfung später unbedingt regelmäßig an dem empfohlenen Gebärmutterhals-Screening teilnehmen. Dadurch können Krebsvorstufen frühzeitig erkannt und behandelt werden.2
Es gibt Unterschiede in den Impfprogrammen für Jungen und Mädchen, was die HPV-Impfung angeht:
Mädchen: Die HPV-Impfung für Mädchen ist mittlerweile in den meisten Ländern etabliert. Laut WHO-Dashboard (Stand April 2026) haben 162 von 194 Ländern die HPV-Impfung vollständig in ihr nationales Impfprogramm aufgenommen, weitere 3 von 194 Ländern teilweise.13
Jungen: Zunehmend wird die HPV-Impfung auch für Jungen in nationale Impfprogramme integriert:13 Laut WHO-Dashboard (Stand April 2026) umfassen 85 von 164 nationalen HPV-Impfprogrammen sowohl Mädchen als auch Jungen, in den übrigen 79 Ländern konzentriert sich das nationale HPV-Impfprogramm derzeit eher auf Mädchen.13 Damit zeigt sich, dass die geschlechtsneutrale HPV-Impfung international an Bedeutung gewinnt, jedoch noch nicht flächendeckend umgesetzt ist.13
Für Sie interessant:
Möchten Sie noch mehr über HPV, die möglichen Folgen einer Infektion und die HPV-Impfung wissen? Dann empfehlen wir Ihnen einen Blick auf die Initiative entschieden-gegenkrebs.de! Hier finden sich auch interessante Informationen für Eltern und Jugendliche.
Quellen
- RKI. RKI-Ratgeber Humane Papillomviren; Erstveröffentlichung im Epidemiologischen Bulletin 27/2018. Letzte Aktualisierungen: Dezember 2023 [abgerufen am 03.06.2026]. Verfügbar unter: https://www.rki.de/DE/Aktuelles/Publikationen/RKI-Ratgeber/Ratgeber/Ratgeber_HPV.html.
- Robert Koch-Institut. Antworten auf häufig gestellte Fragen (FAQ) zu HPV-Impfung und HPV-Infektion; Stand: 29.05.2026 [abgerufen am 03.06.2026]. Verfügbar unter: https://www.rki.de/SharedDocs/FAQs/DE/Impfen/HPV/FAQ-Liste_HPV_Impfen.html.
- Zentrum für Krebsregisterdaten. Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom); 2024 [abgerufen am 03.06.2026]. Verfügbar unter: https://www.krebsdaten.de/Krebs/DE/Content/Krebsarten/Gebaermutterhalskrebs/gebaermutterhalskrebs_node.html.
- Paul-Ehrlich-Institut. HPV-Impfstoffe (humane Papillomaviren); 2026 [abgerufen am 18.06.2026]. Verfügbar unter: https://www.pei.de/DE/arzneimittel/impfstoffe/gebaermutterhalskrebs-hpv/hpv-node.html.
- Robert Koch-Institut (RKI). Ständige Impfkommission. Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) beim Robert Koch-Institut 2026 Epid Bull 2026;4:1- 79; 2026 [abgerufen am 03.06.2026]. Verfügbar unter: https://www.rki.de/DE/Aktuelles/Publikationen/Epidemiologisches-Bulletin/2026/04_26.pdf?__blob=publicationFile.
- Bayerisches Staatsministerium für Gesundheit, Pflege und Prävention. Die HPV Impfung: Infos für Jugendliche & ihre Eltern [abgerufen am 03.06.2026]. Verfügbar unter: https://www.stmgp.bayern.de/vorsorge/infektionsschutz/humanes-papilloma-virus/#toc_Informationen_fur_Eltern.
- Meites E et al. Epdemiology and Prevention of Vaccine-Preventable Diseases: Chapter 11: Human Papillomavirus; 2024 [abgerufen am 03.06.2026]. Verfügbar unter: https://www.cdc.gov/pinkbook/hcp/table-of-contents/chapter-11-human-papillomavirus.html.
- Kjaer SK et al. Long-term effectiveness of the nine-valent human papillomavirus vaccine: Interim results after 12 years of follow-up in Scandinavian women. Hum Vaccin Immunother 2024; 20(1):2377903.
- World Health Organization (WHO). Human papillomavirus vaccines: WHO position paper, December 2022: Weekly Epidemiological Record No 50, 2022, 97, 645–672; 2022 [abgerufen am 20.04.2026]. Verfügbar unter: https://www.who.int/publications/i/item/who-wer9750-645-672?utm_source=chatgpt.com.
- dkfz. Deutsches Krebsforschungszentrum in der Helmholz-Gemeinschaft. Wissen zur Krebsprävention – Impfung gegen HPV-Infektionen [abgerufen am 26.05.2026]. Verfügbar unter: https://www.dkfz.de/fileadmin/user_upload/Krebspraevention/Download/pdf/WzK/WzK_2020_Impfung-gegen-HPV-Infektionen.pdf.
- Sauvageau C et al. Sexual behavior, clinical outcomes and attendance of cervical cancer screening by HPV vaccinated and unvaccinated sexually active women. Hum Vaccin Immunother 2021; 17(11):4393–6.
- Nationale Lenkgruppe Impfen (NaLi). Nationales Konzept zur Förderung der Impfaufklärung und der HPV-Impfquoten: Ziele, Strategien, Hintergründe; 2025 [abgerufen am 07.04.2026]. Verfügbar unter: https://www.nali-impfen.de/fileadmin/pdf/NaLI_HPV-Impfkonzept.pdf.
- World Health Organization (WHO). HPV Dashboard; 2026 [abgerufen am 20.04.2026]. Verfügbar unter: https://www.who.int/teams/immunization-vaccines-and-biologicals/diseases/human-papillomavirus-vaccines-%28HPV%29/hpv-clearing-house/hpv-dashboard.
DE-NON-02871 06/26