Windpocken

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Windpocken

Sie sind hochansteckend und werden durch Erstinfektion mit dem Varizella-Zoster-Virus verursacht – die Rede ist von Windpocken (Varizellen).1 Zu den ersten Symptomen zählen Fieber und juckender Ausschlag.2 Mehr Informationen zur Erkrankung und zur Impfung erhalten Sie hier!

Rote Varizella-Zoster-Viruspartikel, der Erreger der Windpocken, vor einem schwarzen Hintergrund

Fakten zu Windpocken-Infektionen

  • Windpocken sind hochansteckend: Über 90 % der Menschen, die Kontakt mit dem Erreger hatten, erkranken auch daran.2
  • 10 Jahre nach3 Einführung der Impfempfehlung im Jahr 20042 ist die Zahl der Windpocken-Erkrankungen um etwa 90 % zurückgegangen3.
  • 2025 wurden 21.705 Windpocken-Fälle gezählt4, im Vorjahr noch 19.7331. Der überwiegende Teil der Erkrankten mit Angaben zum Impfschutz war entgegen der geltenden Impfempfehlung nicht gegen Windpocken geimpft.1

Papeln, Pusteln, Bläschen und schorfige Verkrustungen auf Haut und Schleimhäuten sind Kennzeichen der Windpocken. Anfangs sind nur das Gesicht und der Rumpf betroffen.1 Allerdings breitet sich der Ausschlag, der sehr schmerzhaft sein kann5, über den gesamten Körper aus1.

Ausgelöst werden die Windpocken durch die Erstinfektion mit dem Varizella-Zoster-Virus, das zu den Herpesviren gehört.6 Das Virus verbleibt anschließend lebenslang in den als Ganglien bezeichneten Bereichen der Nervenzellen. Wird das Virus in den Ganglien später erneut aktiviert, führt dies zur Entstehung einer Gürtelrose (Herpes zoster).1

Wie verbreitet sind Windpocken?

Windpocken kommen weltweit vor.2 Vor Einführung der Impfempfehlung erkrankten in Deutschland jährlich etwa 750.000 Menschen an Windpocken, darunter hauptsächlich Kinder unter 5 Jahren. Nach Einführung der Impfung gegen Varizellen sank die Zahl der Windpocken-Erkrankungen innerhalb von 10 Jahren um circa 90 %.3

Wie wird der Erreger übertragen?

Windpocken können in seltenen Fällen während der ersten 6 Monate der Schwangerschaft über die Blutbahn auf das ungeborene Kind übertragen werden. Erkrankt die Schwangere kurz vor oder nach dem Geburtstermin an Windpocken, besteht hingegen eine hohe Ansteckungsgefahr für das Neugeborene.5

Dauer der Ansteckungsfähigkeit

Wer ist besonders gefährdet?

Wie äußern sich Windpocken?

Die ersten Anzeichen der Krankheit treten 2 – 3 Tage vor dem eigentlichen Ausbruch der Windpocken auf und erscheinen eher uncharakteristisch: Unwohlsein, Kopf- und Gliederschmerzen. Es folgen ein juckender Hautausschlag und Fieber, das selten über 39 °C ansteigt. Zunächst sind der Rumpf und das Gesicht betroffen. Allerdings kann der Ausschlag auch auf andere Körperteile übergehen, darunter auch Schleimhäute und die behaarte Kopfhaut.2 Typischerweise erscheinen alle Stadien des Hautausschlags zeitgleich.5 Dabei handelt es sich um Papeln, Pusteln, Bläschen und Schorf.1 Die Bläschen selbst heilen meist nach 3 – 5 Tagen ab.5

Welche Komplikationen können auftreten?

Die möglichen Komplikationen bei einer Infektion mit dem Varizella-Zoster-Virus reichen von zusätzlichen bakteriellen Infektionen der Haut über Lungenentzündung bis zu Erkrankungen des Nervensystems.5 Die Komplikationsrate ist bei Jugendlichen und Erwachsenen am höchsten. Schwere, teilweise lebensbedrohliche Komplikationen, die gleich mehrere Organe betreffen können, sind bei Menschen mit einer Immunschwäche möglich.6

Genau wie andere Herpesviren bleibt der Windpocken-Erreger nach einer Infektion in den Nervenzellen und kann später durch eine erneute Aktivierung eine Gürtelrose auslösen.6

Wie wird eine Windpocken-Infektion diagnostiziert?

Die Symptome einer Windpocken-Infektion sind sehr typisch für diese Erkrankung. Das macht eine spezifische Diagnostik in der Regel unnötig. Lediglich im Falle eines angeborenen Immundefekts kommt es möglicherweise zu atypischen Krankheitsbildern.2

In folgenden Situationen sollte eine spezifische Diagnostik durchgeführt werden:2

  • bei Erkrankungen des zentralen Nervensystems
  • bei Lungenentzündungen
  • bei Infektionen während der Schwangerschaft
  • bei Infektionen des Neugeborenen
  • bei geimpften Patient:innen zur Unterscheidung von Impf- und Wildvirus

Ein Blick in die Labordiagnostik von Windpocken-Infektionen

Das Windpocken-Virus kann direkt oder indirekt nachgewiesen werden.2

Optimalerweise wird eine Polymerase-Kettenreaktion (PCR) durchgeführt, um das Vorliegen von Erbmaterial des Virus direkt zu überprüfen. Über Immunfluoreszenztests oder durch Virusisolation kann der direkte Erregernachweis ebenfalls geführt werden. Es werden Bläschenflüssigkeit, Gehirnwasser (Liquor), Material aus einer Atemwegsspiegelung oder Blut für diese Diagnostik genutzt.2

Wie können Windpocken behandelt werden?

Um Komplikationen zu vermeiden, werden die Beschwerden und Begleiterscheinungen behandelt. Durch eine sorgfältige Hautpflege können beispielsweise zusätzliche bakterielle Infektionen der Haut vermieden werden. Bei Menschen mit einem geschwächten Immunsystem ist auch eine spezifische antivirale Therapie möglich.2

Die beste Vorbeugung von Windpocken ist die Impfung gegen Varizellen.2

Wie wird gegen Windpocken geimpft?

  • Die 1. Impfung erfolgt im Alter von 11 Monaten und wird in der Regel entweder simultan mit der 1. Impfung gegen Masern, Mumps und Röteln (MMR) verabreicht oder frühestens 4 Wochen danach.
  • Im Alter von 15 Monaten findet die 2. Impfung statt. Hierfür kann ein Kombinationsimpfstoff verwendet werden, der neben dem Impfstoff gegen Windpocken auch Impfstoffe gegen MMR enthält (MMRV-Kombinationsimpfung).
  • Zwischen der 1. und der 2. Windpockenimpfung sollte ein Abstand von mindestens 4 Wochen liegen.

Bei Kindern und Jugendlichen, die bisher keine oder nur eine Impfung gegen Windpocken bekommen haben, sollten fehlende Impfungen noch vor Erreichen des 18. Geburtstags nachgeholt werden.7

Mein Kind kommt in die Kita, ist eine Impfung auch schon früher möglich?

Sollte der Besuch bzw. die Aufnahme in eine Gemeinschaftseinrichtung (z. B. Kita) anstehen, können Säuglinge bereits ab dem Alter von 9 Monaten gegen Windpocken geimpft werden. In diesem Fall sollte die 2. Impfung bereits zu Beginn des 2. Lebensjahres durchgeführt werden.3

Ist eine Impfung auch in der Schwangerschaft und Stillzeit möglich?

Bei der Impfung werden Impfstoffe mit abgeschwächten Windpocken-Erregern verwendet, sogenannte Lebendimpfstoffe. Deshalb dürfen schwangere Frauen nicht gegen Windpocken geimpft werden. Auch eine Schwangerschaft sollte nach der Impfung gegen Windpocken für 1 Monat vermieden werden. Erfolgte dennoch versehentlich eine Impfung in oder kurz vor der Schwangerschaft, ist dies jedoch kein Grund die Schwangerschaft abzubrechen.6

In der Stillzeit können sowohl Mütter als auch das gestillte Kind alle von der STIKO empfohlenen Impfungen erhalten. Das gilt auch für die Impfungen gegen Windpocken.3

Windpocken-Impfung auch bei Erwachsenen?

Von der STIKO für bestimmte Personengruppen empfohlen. Die Impfung gegen Windpocken ist auch für Menschen mit besonderen gesundheitlichen Risiken empfohlen, die bisher ungeimpft sind und noch keine Windpocken hatten. Gleiches gilt für Menschen, die empfänglich für eine Infektion mit Varizellen sind. Empfänglich bedeutet in dem Kontext, dass in einem Bluttest keine spezifischen Antikörper gegen das Windpocken-Virus gefunden wurden.3 Eine 2-malige Impfung gegen Windpocken wird für seronegative Frauen mit Kinderwunsch empfohlen sowie für alle Personen

  • vor einer Behandlung, die die Immunabwehr unterdrückt, wenn sie seronegativ sind,
  • vor einer Organtransplantation, wenn sie seronegativ sind,
  • mit schwerer Neurodermitis,
  • mit engem Kontakt zu besonders gefährdeten Personen, 
  • die in medizinischen Einrichtungen arbeiten (einschließlich Einrichtungen sonstiger humanmedizinischer Heilberufe),
  • mit Tätigkeiten mit Kontakt zu potenziell infektiösem Material,
  • die in Gemeinschaftseinrichtungen oder Einrichtungen der Pflege oder in Gemeinschaftsunterkünften von Asylbewerbenden, Ausreisepflichtigen, Flüchtlingen und Spätaussiedler:innen arbeiten.7

Ich hatte Kontakt mit Personen, die Windpocken haben. Ist eine Impfung noch möglich?

Entscheidend ist, wieviel Zeit seit dem Kontakt vergangen ist (maximal 5 Tage). Die Impfung ist in diesem Fall altersunabhängig für alle Personen empfohlen, die bisher keine Windpocken-Impfung erhalten haben, keine Anzeichen einer Windpocken-Erkrankung zeigen und Kontakt zu Risikopersonen haben / hatten.7

Wird von einem erhöhten Risiko für Komplikationen durch die Windpocken-Infektion ausgegangen, besteht die Möglichkeit einer passiven Immunisierung (Spritzen von Antikörpern). Das ist jedoch nur bis zu 96 Stunden nach dem Kontakt zu Risikopersonen möglich.7

Quellen

  1. Robert Koch-Institut (RKI). Infektionsepidemiologisches Jahrbuch meldepflichtiger Krankheiten für 2024. Datenstand: 01.03.2025. DOI 10.25646/13601.
  2. Robert Koch-Institut (RKI). RKI-Ratgeber: Windpocken (Varizellen), Gürtelrose (Herpes zoster). Aktueller Stand: 27.01.2026. Abrufbar unter: https://www.rki.de/DE/Aktuelles/Publikationen/RKI-Ratgeber/Ratgeber/Ratgeber_Varizellen.html [eingesehen am 24.06.2026].
  3. Robert Koch-Institut (RKI). Antworten auf häufig gestellte Fragen zur Schutzimpfung gegen Windpocken (Varizellen). Aktueller Stand: 29.10.2024. Abrufbar unter: https://www.rki.de/SharedDocs/FAQs/DE/Impfen/Varizellen/FAQ-Liste_Varizellen_Impfen.html?nn=16904340 [eingesehen am 24.06.2026].
  4. Robert Koch-Institut (RKI). Aktuelle Statistik meldepflichtiger Infektionskrankheiten. Epid Bull 2026;01:11-13.
  5. Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG). Windpocken / Gürtelrose. Informationen über Krankheitserreger beim Menschen – Impfen schützt! Aktueller Stand: August 2019. Abrufbar unter: https://www.infektionsschutz.de/infektionen/erregersteckbriefe/windpocken-/-guertelrose/ [eingesehen am 24.06.2026].
  6. Robert Koch-Institut (RKI). Empfehlung und wissenschaftliche Begründung für die Angleichung der beruflich indizierten Masern-Mumps-Röteln-(MMR-) und Varizellen-Impfung. Epid Bull 2020;02:1-22.
  7. Robert Koch-Institut (RKI). Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) beim Robert Koch-Institut 2026. Epid Bull 2026;04:1-79.

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