6-fach-Impfung: Ergebnisse des Impfquotenmonitorings
Regelmäßig werden die Impfquoten der durch die STIKO empfohlenen Impfungen veröffentlicht.1 Was verraten die Daten der Impfsurveillance der Kassenärztlichen Vereinigungen über den Impfschutz von Kindern in Deutschland?
Trotz gutem Niveau: Abzüge in der B-Note
Grundsätzlich sind die Impfquoten bei Kindern auf einem hohen Niveau. Trotzdem gibt es Abzüge in der B-Note: Impfserien werden häufig erst später als empfohlen begonnen oder nicht vollendet.1
Tetanus, Diphtherie, Pertussis, Polio, Hib und HepB: Spät dran
Im Alter von 15 Monaten lagen die Impfquoten für die 1. Impfdosis der Standardimpfungen gegen Tetanus, Diphtherie, Pertussis (Keuchhusten) (DTP) und Poliomyelitis (Kinderlähmung, kurz Polio) auf einem konstant hohen Niveau von 96 % (Geburtsjahrgang 2022). Die 2. Impfstoffdosis erhielten 93 % der Kinder. Viele Kinder schließen die Grundimmunisierung jedoch nicht rechtzeitig ab: Nur 76 % der Kinder im Alter von 24 Monaten waren vollständig gegen DTP geimpft, gegen Polio nur 75 %. Bis zum Alter von 6 Jahren stiegen diese Werte auf 89 % für die Grundimmunisierung gegen DTP und 88 % gegen Polio.1
Im Alter von 5 – 6 Jahren betrug im Jahr 2024 die Impfquote der empfohlenen Auffrischimpfung gegen Tetanus, Diphtherie und Pertussis bei 6-Jährigen nur 50 %. Die empfohlene Auffrischimpfung für das Alter von 9 – 16 Jahren gegen Tetanus, Diphtherie, Pertussis und Polio wurde von 57 % der 15-Jährigen wahrgenommen. Bei jedem Zehnten dieser Jugendlichen fehlte bei der Auffrischimpfung die Polio-Impfstoffkomponente.1
Im Jahr 2024 waren 75 %, 74 % bzw. 73 % der Kinder im Alter von 24 Monaten vollständig gegen H. influenzae Typ b (Hib), Hepatitis B (HepB) und Pneumokokken geimpft. Damit lagen die Impfquoten leicht unterhalb der von Tetanus, Diphtherie, Pertussis und Polio, nähern sich diesen aber weiterhin an.1
Gut zu wissen
Die aktuelle Auswertung der Impfquoten bei Kindern in Deutschland basiert auf den Daten vertragsärztlicher Abrechnungsdaten der Kassenärztlichen Vereinigungen (KV) und den Erhebungen zum Impfstatus in den Schuleingangsuntersuchungen der Bundesländer.
Während der COVID-19 Pandemie konnten die Schuleingangsuntersuchungen nicht flächendeckend durchgeführt werden, daher werden nun erstmals seit dem Erhebungsjahr 2020 wieder Impfquoten aus Schuleingangsuntersuchungen berichtet.1
Poliomyelitis: aktuelle Zahlen verdeutlichen das Problem
Warum hohe Impfquoten auch weiterhin relevant sind, verdeutlichen jüngste Ereignisse: Seit Ende 2024 wurden in Abwasserproben in Deutschland vom Schluckimpfstoff abgeleitete Polioviren nachgewiesen. Im Oktober 2025 wurden im Abwasser in Hamburg zudem erstmals Polio-Wildviren vom Typ 1 nachgewiesen, welche sonst nur noch in Afghanistan und Pakistan vorkommen. Im Abwasser nachgewiesene Polioviren bedeutet, dass Menschen mit Polioviren infiziert sind und diese mit dem Stuhl ausscheiden.
Bislang wurden dem Robert Koch-Institut (RKI) keine klinischen Poliomyelitis-Fälle übermittelt, auch dank der vergleichsweise hohen Polio-Impfquoten. Vom Schluckimpfstoff-abgeleitete Polioviren sowie die Wildviren können bei unzureichend Geimpften schwere Lähmungen verursachen. Daher verdeutlichen die Abwassernachweise die Gefahr für unzureichend Geimpfte in Deutschland und die Notwendigkeit hoher Impfquoten und guter Surveillance.1
- Die STIKO empfiehlt die Grundimmunisierung gegen Diphtherie, Tetanus, Pertussis, Polio, Hib und HepB mit 3 Impfstoffdosen im Alter von 2, 4 und 11 Monaten.2 Das verkürzte 2+1-Impfschema gilt seit Juni 2020.1
- Frühgeborene (Geburt vor der vollendeten 37. Schwangerschaftswoche) sollen eine zusätzliche Impfdosis im Alter von 3 Monaten erhalten (3+1-Schema).2
- Die Verwendung eines Kombinationsimpfstoffes ist sinnvoll.2
Fazit
Bei Kindern liegen die Impfquoten insgesamt auf einem hohen Niveau. Doch häufig werden Impfserien häufig erst später als empfohlen begonnen oder gar nicht abgeschlossen. Zudem bestehen klare Impflücken in allen Altersgruppen, die regional noch stärker ausgeprägt sind.
In Deutschland zeigt sich aktuell, was passieren kann, wenn Menschen nicht oder unzureichend geimpft sind: Im deutschen Abwasser wurden vom Schluckimpfstoff abgeleitete Polioviren nachgewiesen, welche bei unzureichend Geimpften schwere Lähmungen verursachen können. Die Renaissance von bestimmten impfpräventablen Erkrankungen ist ein Warnsignal: Die Erfolge des Impfens dürfen nicht verspielt werden und Impflücken müssen geschlossen werden.1
Lesenswert:
Weitere Informationen zu den im Beitrag genannten impfpräventablen Infektionskrankheiten erhalten Sie in den jeweiligen Steckbriefen:
Quellen
- Robert Koch-Institut (RKI). Impfquoten in Deutschland. Epid Bull 2025;50:1-19.
- Robert Koch-Institut (RKI). Empfehlungen der Ständigen Impfkommission beim Robert Koch-Institut 2026. Epid Bull 2026;4:1-79.
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